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Reichsmarine: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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! '''Reichsmarine (1921–1935)'''
 
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| colspan="3" | Die Reichsmarine war die Bezeichnung der deutschen Seestreitkräfte während der Weimarer Republik und der ersten Jahre des Nationalsozialismus (1921–1935). Sie entstand aus der Vorläufigen Reichsmarine und war durch die strengen Auflagen des Versailler Vertrages auf eine Stärke von 15.000 Mann und eine begrenzte Anzahl veralteter Schifftypen beschränkt. Trotz des Verbots von Unterseebooten und Flugzeugen legte sie durch geheime Rüstungsprojekte und eine hochprofessionelle Kaderausbildung das Fundament für die spätere Kriegsmarine.
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| colspan="3" | Die Reichsmarine war die offizielle Bezeichnung der deutschen Seestreitkräfte während der Weimarer Republik. Sie war durch die strengen Auflagen des Versailler Vertrages in ihrer Größe massiv eingeschränkt, bildete jedoch das personelle und technologische Fundament, auf dem die spätere Kriegsmarine und insbesondere die U-Boot-Waffe aufgebaut wurden.
 
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| colspan="3" | Struktur und Führung: Die Reichsmarine unterstand dem Reichswehrministerium, die operative Führung lag beim Chef der Marineleitung (u.a. Admirale Zenker und Raeder). Sie war in zwei Hauptstationen gegliedert: die Marinestation der Ostsee (Kiel) und die Marinestation der Nordsee (Wilhelmshaven).
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| Versailler Beschränkungen: || colspan="3" | Deutschland war der Besitz von Unterseebooten, Flugzeugen und Flugzeugträgern streng untersagt. Die Personalstärke war auf 15.000 Mann begrenzt. Die Flotte bestand aus veralteten Linienschiffen und Kreuzern, die nur nach Erreichen bestimmter Altersgrenzen durch Neubauten ersetzt werden durften.
 
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| colspan="3" | Geheime Aufrüstung: Da der Bau von U-Booten untersagt war, gründete die Marineleitung 1922 in den Niederlanden die Tarnorganisation "Ingenieurskantoor voor Scheepsbouw" (IvS), um die U-Boot-Entwicklung technisch fortzuführen. Parallel dazu wurden in der "Lohmann-Affäre" bekannt gewordene schwarze Kassen zur Finanzierung geheimer Projekte genutzt.
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| Geheime Rüstung: || colspan="3" | Um das Verbot zu umgehen, gründete die Marineleitung 1922 in Den Haag das Ingenieurskantoor voor Scheepsbouw (IvS). Hier wurde das Wissen über den U-Boot-Bau durch Aufträge für ausländische Marinen (z.B. Finnland, Spanien, Türkei) konserviert und weiterentwickelt.
 
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| colspan="3" | Ende der Ära: Mit der Proklamation der "Wehrhoheit" und der Umbenennung in Kriegsmarine am 21.05.1935 endete die Ära der Reichsmarine.
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| Innovation aus Not: || colspan="3" | Die Tonnagebeschränkungen zwangen die Konstrukteure zu Höchstleistungen. Durch Gewichtseinsparungen (Elektroschweißen) und den Einsatz von leistungsstarken Dieselmotoren entstanden die Panzerschiffe der Deutschland-Klasse, die weltweit Beachtung fanden.
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! colspan="3" | Gliederung der Ausbildung und Führung
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| Marineleitung (ML): || colspan="3" | Die oberste Kommandobehörde mit Sitz in Berlin. Hier wurden unter Admiral Hans Zenker und später Erich Raeder die Pläne für den Wiederaufstieg der Flotte und die geheime U-Boot-Waffe geschmiedet.
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| Die Inspektionen: || colspan="3" | Unterteilt in das Bildungswesen (B.), die Artillerie (A.) und das Torpedowesen (T.). Diese Strukturen blieben nahezu unverändert bestehen und garantierten eine Ausbildung auf höchstem fachlichem Niveau.
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| Crew-System: || colspan="3" | Das System der Offiziersjahrgänge (Crews) wurde in der Reichsmarine perfektioniert. Die Crews 21 bis 34 stellten später fast die gesamte Elite der U-Boot-Kommandanten im Zweiten Weltkrieg.
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| colspan="3" | Personal-Tradition: Die Reichsmarine bildete den hochspezialisierten Stamm an Offizieren und Unteroffizieren aus, die ab 1935 den Kern der neuen U-Boot-Waffe bildeten. Die Ausbildung legte extremen Wert auf technische Perfektion und eigenverantwortliches Handeln.
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| Personeller Kern: || colspan="3" | Die Ausbildung auf den alten Linienschiffen (Schlesien, Schleswig-Holstein) und Segelschulschiffen der Reichsmarine prägte den Charakter und die Disziplin der späteren U-Boot-Führung.
 
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| colspan="3" | Tarnung "U-Abwehr": Unter dem Deckmantel der U-Boot-Abwehrschulung wurden bereits in der Endphase der Reichsmarine (ab 1933) die ersten Besatzungen theoretisch für den U-Boot-Dienst geschult, was den schnellen Aufbau der Flottille "Weddigen" im Jahr 1935 ermöglichte.
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| Taktische Vorbereitung: || colspan="3" | In geheimen "U-Abwehr-Lehrgängen" wurde bereits taktisches Wissen über den U-Boot-Krieg vermittelt. Offiziere wurden zur praktischen Ausbildung auf ausländische Boote kommandiert, um den Anschluss an die internationale Entwicklung nicht zu verlieren.
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
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| BArch RM 2 || colspan="3" | Akten der Marineleitung. Enthält grundlegende Dokumente zur Organisation und den geheimen Rüstungsvorhaben der Reichsmarine-Ära.
 
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| B.Arch. RM 1 || colspan="3" | Akten der Marineleitung / Oberkommando der Marine (Dokumentiert die Organisationsgeschichte der Reichsmarine).
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| BArch RM 20 || colspan="3" | Unterlagen der Flottenkommandos. Dokumentation der Übungsreisen und der taktischen Weiterentwicklung in der Zwischenkriegszeit.
 
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| B.Arch. RM 20 || colspan="3" | Unterlagen der Inspektion des Bildungswesens (Belegt die Ausbildungskonzepte der 1920er Jahre).
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Marineoffiziere. Belegt die Dienstlaufbahnen ab dem Eintritt in die Reichsmarine und die geheimen Kommandierungen.
 
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band II, Kapitel zur Geschichte und Vorläufern).
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| Hildebrand / Röhr || colspan="3" | "Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte". (Standardwerk zur Epoche der Reichsmarine).
 
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945.
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| Rössler, Eberhard || colspan="3" | "Die deutschen U-Boote und ihre Werften". (Detaillierte Analyse der geheimen U-Boot-Entwicklung vor 1935).
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| Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". (Band I liefert die organisatorischen Wurzeln der Reichsmarine).
 
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| Rössler, Eberhard || colspan="3" | Geschichte des deutschen U-Bootbaus. (Details zur geheimen Entwicklung in der IvS).
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| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 
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| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 
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Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 18:31 Uhr

Organisation Reichsmarine (1921–1935)
Die Reichsmarine war die offizielle Bezeichnung der deutschen Seestreitkräfte während der Weimarer Republik. Sie war durch die strengen Auflagen des Versailler Vertrages in ihrer Größe massiv eingeschränkt, bildete jedoch das personelle und technologische Fundament, auf dem die spätere Kriegsmarine und insbesondere die U-Boot-Waffe aufgebaut wurden.
Historischer Kontext & Organisation
Versailler Beschränkungen: Deutschland war der Besitz von Unterseebooten, Flugzeugen und Flugzeugträgern streng untersagt. Die Personalstärke war auf 15.000 Mann begrenzt. Die Flotte bestand aus veralteten Linienschiffen und Kreuzern, die nur nach Erreichen bestimmter Altersgrenzen durch Neubauten ersetzt werden durften.
Geheime Rüstung: Um das Verbot zu umgehen, gründete die Marineleitung 1922 in Den Haag das Ingenieurskantoor voor Scheepsbouw (IvS). Hier wurde das Wissen über den U-Boot-Bau durch Aufträge für ausländische Marinen (z.B. Finnland, Spanien, Türkei) konserviert und weiterentwickelt.
Innovation aus Not: Die Tonnagebeschränkungen zwangen die Konstrukteure zu Höchstleistungen. Durch Gewichtseinsparungen (Elektroschweißen) und den Einsatz von leistungsstarken Dieselmotoren entstanden die Panzerschiffe der Deutschland-Klasse, die weltweit Beachtung fanden.
Gliederung der Ausbildung und Führung
Marineleitung (ML): Die oberste Kommandobehörde mit Sitz in Berlin. Hier wurden unter Admiral Hans Zenker und später Erich Raeder die Pläne für den Wiederaufstieg der Flotte und die geheime U-Boot-Waffe geschmiedet.
Die Inspektionen: Unterteilt in das Bildungswesen (B.), die Artillerie (A.) und das Torpedowesen (T.). Diese Strukturen blieben nahezu unverändert bestehen und garantierten eine Ausbildung auf höchstem fachlichem Niveau.
Crew-System: Das System der Offiziersjahrgänge (Crews) wurde in der Reichsmarine perfektioniert. Die Crews 21 bis 34 stellten später fast die gesamte Elite der U-Boot-Kommandanten im Zweiten Weltkrieg.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Personeller Kern: Die Ausbildung auf den alten Linienschiffen (Schlesien, Schleswig-Holstein) und Segelschulschiffen der Reichsmarine prägte den Charakter und die Disziplin der späteren U-Boot-Führung.
Taktische Vorbereitung: In geheimen "U-Abwehr-Lehrgängen" wurde bereits taktisches Wissen über den U-Boot-Krieg vermittelt. Offiziere wurden zur praktischen Ausbildung auf ausländische Boote kommandiert, um den Anschluss an die internationale Entwicklung nicht zu verlieren.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 2 Akten der Marineleitung. Enthält grundlegende Dokumente zur Organisation und den geheimen Rüstungsvorhaben der Reichsmarine-Ära.
BArch RM 20 Unterlagen der Flottenkommandos. Dokumentation der Übungsreisen und der taktischen Weiterentwicklung in der Zwischenkriegszeit.
BArch PERS 6 Personalakten der Marineoffiziere. Belegt die Dienstlaufbahnen ab dem Eintritt in die Reichsmarine und die geheimen Kommandierungen.
Literaturverweise
Hildebrand / Röhr "Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte". (Standardwerk zur Epoche der Reichsmarine).
Rössler, Eberhard "Die deutschen U-Boote und ihre Werften". (Detaillierte Analyse der geheimen U-Boot-Entwicklung vor 1935).
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". (Band I liefert die organisatorischen Wurzeln der Reichsmarine).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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