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Marineschule

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Dienststelle Marineschulen der Kriegsmarine (Mürwik & Kiel)
Die Marineschulen waren die zentralen Bildungsstätten für den Führungsnachwuchs und das Fachpersonal. Während Flensburg-Mürwik als „Akademie“ die seemännische und charakterliche Formung übernahm, konzentrierte sich Kiel-Wik auf die hochspezialisierte technische Ausbildung an Realmaschinen.
Marineschule Flensburg-Mürwik (Marinekriegsschule)
Historie & Aufbau: Am 03.12.1919 als Marineschule "A" unter Heinrich Lampe initiiert. Ab 1920 eigenständige Marineschule, ab 01.05.1943 Marinekriegsschule Mürwik. Die Ausbildung wurde kriegsbedingt massiv verkürzt und in drei Abteilungen neu organisiert.
Besonderheiten: Berühmt für die „Sextanten-Terrasse“ zur Astronavigation. Vom 03.05. bis 23.05.1945 diente die Schule als Sitz der Regierung Dönitz. Der Funkturm der Schule war in den letzten Kriegstagen die letzte Verbindung zu den noch auf See befindlichen U-Booten.
Lehrgangsbetrieb: Ausbildung von Seeoffiziersanwärtern aller Crews sowie der Steuermannslaufbahn. Der Fokus lag auf taktischer Führung, Nautik und Seekriegsrecht.
Marineschule Kiel (Technische Marineschule)
Entwicklung: Gegründet 1913, spezialisiert auf Ingenieuroffiziere. Ab 1931 Führung durch einen Konteradmiral (Ing.). Die Schule wuchs von 300 Mann (1933) auf über 4.000 Lehrgangsteilnehmer (1943) an.
Wohnschiffe & Lager: Aufgrund von Platzmangel dienten die HAPAG-Dampfer Milwaukee und New York im Tirpitzhafen als schwimmende Kasernen. Ergänzend wurde das „Scheerlager“ (Baracken) genutzt.
Maschinenhalle II: Ab 01.04.1943 in Betrieb. Einzigartig durch den Einbau einer kompletten Zerstörer-Antriebsanlage und Schnellbootmotoren zu Schulungszwecken.
Gliederung der Marineschule Kiel (Stand 1943)
I. Abteilung: Oberfeldwebel- und Unteroffizier-Fachlehrgänge (6 Kompanien).
II. Abteilung: Sonderlehrgänge für die spezialisierte U-Bootausbildung (3 Kompanien).
III. Abteilung: Ausbildung von Ingenieuroffizieren und Ingenieuroffizier-Anwärtern (3 Kompanien).
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Technische Exzellenz: In Kiel wurde das „Rückgrat“ der Boote geschult. Die Ausbildung an Realmaschinen in der Maschinenhalle II war entscheidend für die Fähigkeit der LIs, Schäden auf Feindfahrt unter extremem Zeitdruck autark zu beheben.
Charaktertest: Das Leben auf den überbelegten Wohnschiffen und der harte Drill in Mürwik dienten als psychologisches Auswahlverfahren für die Enge und soziale Belastung im U-Boot-Einsatz.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Unterlagen der Inspektion des Bildungswesens. Akten zu Bauvorhaben in Kiel-Wik und Belegungspläne der Wohnschiffe Milwaukee/New York.
BArch RM 20 Marinestation der Ostsee. Berichte über die Rolle Mürwiks während der Regierung Dönitz im Mai 1945.
BArch PERS 6 Personalakten (Vermerke über die Fachlehrgänge II. Abt. für U-Boot-Personal).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Organisation der Schulen).
Güth, Rolf "Die Marineausbildung im Wandel" (Historische Entwicklung der Standorte).
Rössler, Eberhard "Geschichte des deutschen U-Bootbaus" (Technische Details zur Maschinenhalle II).
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